Neuerungen bei der Chlamydien-Diagnostik

Neu bietet die ANALYTICA als Ergänzung zur PCR eine erregerspezifische Antikörperdiagnostik für die drei humanpathogenen Chlamydien-Arten Chlamydia trachomatis, Chlamydia pneumoniae und Chlamydia psittaci an. Im Rahmen dieser Neuerung informieren wir Sie über das optimale diagnostische Vorgehen bei Verdacht auf eine Chlamydien-Infektion, sowie den gezielten Einsatz der neuen Antikörpertests.

In den meisten Fällen ist die Methode der Wahl zum Nachweis einer Chlamydien-Infektion der direkte Erregernachweis mittels PCR. Bei chronisch invasiven Infektionen (Adnexitis, Pelvic inflammatory disease (PID), unerfüllter Kinderwunsch, Epididymitis, chronische Prosta­titis, Perihe­­patitis) und bei reaktiver Arthritis ist hingegen die Antikörperbestimmung die Methode der Wahl, da in diesen Situationen ein Erregernachweis mittels PCR häufig nicht möglich ist. Ein kultureller Nachweis von Chlamydien ist aufgrund des obligat intrazellulären Wachstums im Routine­labor nicht möglich.

Chlamydia trachomatis
Verschiedene Serovare mit unterschiedlichen Krankheitsbildern und Diagnostik
Trachom und Einschlusskonjunktivitis

  • PCR aus Konjunktivalabstrich
Urogenitale Infektionen (symptomatisch oder asymptomatisch)

  • PCR aus Abstrichmaterial (vaginal / cervikal / urethral / anal) oder Erststrahlurin
  • Serologie wird zur Akutdiagnostik nicht empfohlen 1
Lymphogranuloma venereum (LGV)
Lymphadenitis

  • IgG- und IgA-Antikörper gegen Chlamydia trachomatis aus Serum 2
  • PCR aus Lymphknotengewebe (bei positiver Chlamydia trachomatis-PCR weiterführende PCR mit Frage nach Genotyp LGV)

Proktitis und genitales oder orales Ulkus

  • PCR aus Abstrichmaterial (bei positiver Chlamydia trachomatis-PCR weiterführende PCR mit Frage nach Genotyp LGV)
  • Serologie wird zur Akutdiagnostik nicht empfohlen 1
PID, Adnexitis, Perihepatitis, unerfüllter Kinderwunsch, chronische Prostatitis, Epididymitis

  • IgG- und IgA-Antikörper gegen Chlamydia trachomatis aus Serum 2
  • PCR aus Abstrichmaterial (vaginal / cervikal / urethral) oder Erststrahlurin
Reaktive Arthritis

  • IgG- und IgA-Antikörper gegen Chlamydia trachomatis aus Serum 2
  • PCR aus Gelenkspunktat, Synovia, Abstrichmaterial (vaginal / cervikal / urethral) oder Erststrahlurin

1 Lokale urogenitale Infektionen führen zu einer verzögerten oder nicht ausreichenden Immunantwort, daher schliesst ein negativer Antikörpertest eine Infektion nicht aus.

2 Messbare Antikörpertiter treten bei aufsteigenden urogenitalen Infektionen, reaktiver Arthritis und Lymphadenitis nach mehreren Wochen auf. IgA-Antikörper stellen keinen Akuitätsmarker dar. Positive serologische Befunde haben eine diagnostische Bedeutung nur bei entsprechender Klinik, da die Antikörper monate- oder sogar jahrelang persistieren können.

Chlamydia pneumoniae
Infektionen des oberen Respirationstraktes und (atypische) Pneumonie

  • PCR aus respiratorischen Materialien (Sputum, Nasopharyngealsekret, Bronchialsekret, Trachealsekret, bronchoalveoläre Lavage, Rachenabstrich)
  • Serologie wird zur Akutdiagnostik nicht empfohlen 3

3 Messbare Antikörpertiter treten erst mehrere Wochen nach Infektion auf. Aufgrund der hohen Durchseuchung haben viele Leute vorbestehend positive IgG-Antikörpertiter und bei Reinfektionen bleibt die IgM-Antikörperbildung häufig aus. Zur Diagnose beitragen kann die Serologie hingegen im Falle einer kürzlichen Infektion bei schon negativer PCR. Aussagekräftig sind ein deutlicher IgG-Titeranstieg, eine IgG-Serokonversion oder hohe IgG- bzw. IgM-Einzeltiter.

Chlamydia psittaci
Ornithose / Psittakose

  • IgG- und IgM-Antikörper gegen Chlamydia psittaci aus Serum 4
  • PCR aus respiratorischen Materialien (Sputum, Nasopharyngealsekret, Bronchialsekret, Trachealsekret, bronchoalveoläre Lavage, Rachenabstrich) 4

4 Zur Diagnosestellung werden sowohl der direkte Erregernachweis mittels PCR als auch die Serologie empfohlen.

Kosten

Analyse Tarif-Code Taxpunkte Preis CHF
Chlamydia trachomatis IgG 3391.00 42 42
Chlamydia trachomatis IgA 3393.00 47 47
Chlamydia trachomatis PCR 3396.00 95 95
Chlamydia pneumoniae IgG 3387.00 42 42
Chlamydia pneumoniae IgM 3388.00 47 47
Chlamydia pneumoniae PCR 3397.00 180 180
Chlamydia psittaci IgG 3389.00 42 42
Chlamydia psittaci IgM 3390.00 47 47
Chlamydia psittaci PCR Analyse auf telefonische Anfrage

Auskunft

Dr. med. Markus Reichmuth

Dr. med. Markus Jutzi

Dr. med. Marinko Dobec

Dr. phil. -nat. Bernhard Mani

Dr. med. Aline Sattler

Literatur

  1. S2k Leitlinie: Infektionen mit Chlamydia-trachomatis. 2016–12
  2. RKI Ratgeber zu Chlamydiosen (www.rki.de)
  3. Expertengremium Mikrobiologisch-infektiologische Qualitätsstandards (MiQ) 35 Infektionsimmunologische Methoden
  4. Clad, A. et al., Eur J Clin Microbiol Infect Dis (2000) 19:932 – 937 Detection of Seroconversion and Persistence of Chlamydia – trachomatis Antibodies in Five Different Serological Tests